In Memoriam
 

Peter Pilz (1940 - 2012)

"Immer engre Kreise zieh'n sich um mein Sein, und so sink ich leise in mich selbst hinein"

Mit diesem Parte-Spruch nahmen Gattin, Kinder, und Enkelkinder im Mai 2012 in Liebe und Trauer, und dem Wunsch für tiefen Frieden Abschied von unserem geschätzten Fachkollegen Primarius a.D. Dr. Peter Pilz.

Peter Pilz wurde am 13. April 1940 in St. Veit, Salzburg geboren. Seinen Vater, der Arzt an einer Lungenheilstätte war, verlor Peter im Alter von einem Jahr aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung. Peter wuchs mit seiner Schwester bei der Mutter in Salzburg auf, und studierte nach seiner Matura Humanmedizin an der Universität Wien. Anschließend absolvierte er die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin.
Im Jahr 1971 begann Peter seine Facharztausbildung in Neurologie in Salzburg. Die klinische Facharztausbildung kombinierte er mit Studienaufenthalten am Klinischen Institut für Neurologie (Obersteiner Institut) in Wien, wobei er sich profunde Kenntnisse in der Neuropathologie aneignete. Nach einer postgraduellen Ausbildung am University College London Queen Square Hospital wurde ihm im Jahr 1976 die Befugnis als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie zuerkannt. 1977 wurde er vom Land Salzburg mit der Etablierung und Führung des Labors für Neuropathologie an der Abteilung für Neurologie der Salzburger Landeskliniken beauftragt. 1993 erfolgte im Zuge der Implementierung des Fachs Neuropathologie in Österreich seine Anerkennung als Facharzt für Neuropathologie. Im Jahr 1997 wurde er zum Primararzt für Neuropathologie am Salzburger Landesklinikum bestellt. Peter leitete dieses Primariat bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000.
Wissenschaftlich war Peter Pilz breit interessiert, und er publizierte in unterschiedlichen Themengebieten der Klinischen Neuropathologie, wie z.B. auf dem Gebiet der Prionenerkrankungen, der vaskulären Pathologie, und der Neurotraumatologie. Besonders hervorzuheben sind seine grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiet der diffusen axonalen Schädigung. Obwohl Peter die Kriterien für eine Habilitation klar erfüllte und kontinuierlich in der Forschung tätig war, hat er ein Ansuchen auf Zuerkennung der Venia legendi nicht verfolgt.
Nach seinem Pensionsantritt unterstützte Peter Pilz die Neuropathologie weiterhin, u.a. als Facharztprüfer, und er war bis ins Jahr 2010 als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Tageshospiz Salzburg tätig.
Facettenreich und von steter Neugier geprägt war auch die private Seite des Peter Pilz. Er war an asiatischen und indianischen Kulturen interessiert, und er übte die Kunst des Bogenschießens (Kyudo) aus. Er war begeisterter Wanderer, Bergsteiger, Paraglider, und Drachenflieger. Abenteuerliche Reisen absolvierte er mit einfachsten Mitteln. So durchzog er Norwegen auf Langlaufskiern, erreichte mit dem Fahrrad Holland, und durchquerte das Mittelmeer mit einem Faltboot. Sein letztes geplantes Vorhaben war die Durchquerung Russlands und Sibiriens, um über die Behring-Straße nach Nordamerika zu den dortigen Indianerstämmen und Schamanen zu gelangen. Zu dieser Reise ist es aber schließlich nicht mehr gekommen.
Peter wurde von seinen Fachkollegen und den ihm zur Ausbildung anvertrauten Jungmedizinern aufgrund seines klinischen Scharfsinns, seines unbestechlichen diagnostischen Blicks, seiner kreativen Forschungsansätze, und seiner disziplinierten Arbeitsweise geschätzt. Als Person prägten ihn große Toleranz und Nächstenliebe für die Schwachen in der Gesellschaft.
Die letzten Lebensjahre des Peter Pilz waren durch seine fortgeschrittene Schwerhörigkeit und einer sich aggravierenden Gemütserkrankung bestimmt, die ihn zunehmends in die soziale Isolation brachten, und ihn in der ihm eigenen Entschlossenheit in letzter Konsequenz dazu führten, aus diesem Leben zu scheiden.
Die Österreichische Gesellschaft für Neuropathologie gedenkt Primarius a.D. Dr. med. Peter Pilz in tiefem Respekt und großer Dankbarkeit.

(Johannes A. Hainfellner, Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Neuropathologie)

Dieser Lebensabriß wurde auf der Grundlage des von Univ.Prof. Dr. Eugen Trinka (Univ. Klinik für Neurologie Salzburg) verfaßten, und in der Zeitschrift "neuro-logisch" (Ausgabe 3/2012) veröffentlichten Nachrufs erstellt.

 

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