In Memoriam
 

Hans A. Kretzschmar (1953 - 2014)

Hans Kretzschmar wurde am 3.1.1953 in München geboren, wo er auch Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München studierte. Nach 3-jähriger Tätigkeit am Institut für Allgemeinpathologie an der LMU München, begann er 1983 seine neuropathologische Ausbildung in San Francisco an der University of California, USA, unter der Leitung von Steven DeArmond.

Durch seine dortige Forschungsarbeit beim späteren Nobelpreisträger Stanley B. Prusiner, in dem er u. a. die genetische Sequenz des menschlichen Prion-Protein-Gens entschlüsselte, wurde sein wissenschaftliches Interesse und seine Begeisterung an der Erforschung von Prionkrankheiten geweckt, die ihm zeitlebens erhalten blieb. Nach einem weiteren 1-jährigen Forschungsaufenthalt bei Charles Weissmann am Institut für Molekulare Biologie der Universität Zürich kehrte er an die LMU München zurück, wo er von 1988-1992 am Institut für Neuropathologie unter der Leitung von Prof. Dr. Mehrain tätig war und sich 1991 habilitierte.

1992 erfolgte die Ernennung zum Professor für Neuropathologie und Leiter des Instituts für Neuropathologie an der Georg-August Universität Göttingen und im Jahr 2000 der Wechsel an die LMU München als Direktor des Zentrums für Neuropathologie und Prionforschung.

Durch seine fachliche Kompetenz und zahlreichen herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten zur Aufklärung der molekularen Mechanismen und klinischen Neuropathologie von humanen Prionkrankheiten hat sich Hans Kretzschmar schnell einen nationalen und internationalen Ruf als angesehener Experte erarbeitet. Exemplarisch erwähnt seien hier nur seine Arbeiten zur Entwicklung eines hochsensitiven Nachweisverfahren, mit dem erstmals Prionmoleküle im Liquor cerebrospinalis von Creutzfeldt-Jakob-Patienten nachgewiesen werden konnten, die Identifizierung der Funktion des Prionproteins als Kupferbinder sowie die Beschreibung der morphologischen und molekularen Subtypen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, deren Klassifikation heute weltweit zum diagnostischen Standard gehört.

Aufgrund der Ähnlichkeiten von Prionerkrankungen mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen, entwickelte Hans Kretzschmar auch ein zunehmendes Interesse an der Diagnostik und Erforschung anderer neurodegenerativen Erkrankungen.
Ein besonderes Anliegen war ihm hierbei der Aufbau von Hirngewebebanken (Brain-Banks). Mit viel Engagement hat er das BMBF-geförderte deutsche Netzwerk Brain-Net (1999-2011) sowie ein EU-gefördertes Netzwerk BrainNet-Europe mit 20 Partnerinstitutionen (2001-2009) koordiniert, in dem wesentliche Richtlinien zum Aufbau und Organisation einer BrainBank sowie neue Kriterien für die neuropathologische Diagnostik neurodegenerativer Erkrankungen erarbeitet wurden.

Hans Kretzschmar war Leiter des Deutschen Referenzzentrums für Prionkrankheiten und Neurodegenerative Erkrankungen der DGNN und des Nationalen Referenzzentrums für humane spongiforme Enzephalopathien des Robert-Koch-Instituts. Darüber hinaus diente er als Berater in Gremien des öffentlichen Gesundheitsdienstes und wirkte auf nationaler und internationaler Ebene mit bei der Erarbeitung von Richtlinien und Empfehlungen zur Prävention von Prionkrankheiten.

Hans Kretzschmar wurde für seine exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten und Verdienste mit mehreren prestigeträchtigen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, darunter 1999 mit dem Ernst Jung-Preis für Medizin, 2004 mit der Ernennung zum Fellow of the Royal College of Pathologists (FRCPath) und 2008 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Athen.

Professor Kretzschmar verstarb am 12. Januar 2014 nach kurzer Krankheit.
Wir trauern um einen herausragenden, international anerkannten und prominenten Vertreter des Fachgebiets Neuropathologie. Wir haben einen hochgeschätzen Kollegen und lieben Freund verloren und werden Hans Kretzschmar unauslöschlich in dankbarer Erinnerung behalten.

(Manuela Neumann)

 

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