In Memoriam
 

Marika Kiessling (1951 - 2012)

Marika Kiessling wurde am 19.10.1951 in Gummersbach geboren. Ihr Medizinstudium absolvierte sie in Bonn und Freiburg. Von 1977 bis zur ihrer Approbation im Jahr 1978 war sie als Medizinalassistentin am Klinikum der Universität Freiburg tätig. Von 1978 bis 1983 arbeitete sie als Assistenzärztin in der Abteilung Neuropathologie in Freiburg bei Professor Paul Kleihues und promovierte 1979 mit einer Arbeit zu "Wirkungen von Phophodiesterasehemmern und pharmakologischen Eingriffen in den Katecholominhaushalt auf die Konzentration von zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP) im Liquor cerebrospinalis der Ratte". Neben ihrer klinisch-diagnostischen Ausbildung begann sie sich in Freiburg wissenschaftlich mit dem Problem der selektiven neuronalen Vulnerabilität und dem verzögerten neuronalen Zelltod bei Hypoglykämie, Hypoxie, Ischämie und Epilepise zu beschäftigen, ein Thema, das sie bis an das Ende ihrer beruflichen Laufbahn intensiv bearbeitete. In einer häufig zitierten Arbeit aus dem Jahr 1986 konnte sie als zentralen Mechanismus für den verzögerten ischämischen Nervenzelluntergang eine irreversible Hemmung der Proteinsynthese identifizieren. Es folgte 1983 bis 1984 ein Forschungsaufenthalt im Laboratory of Cerebral Metabolism des Department of Neurology an der Cornell University Medical Center in New York bei William Pulsinelli und Fred Plum mit experimentellen Studien zur zerebralen Ischämie. Zurück in Deutschland arbeitete sie wiederum in der Abteilung für Neuropathologie in Freiburg bei Professor Benedikt Volk. Im Jahr 1986 erhielt sie die Facharztanerkennung für Pathologie/Neuropathologie. 1987 habilitierte sie sich zum Thema "Metabolische Grundlagen der hypoglykämischen Hirnschädigung". 1988 nahm sie einen Ruf auf die C3-Professur für Neuropathologie verbunden mit der Leitung des Instituts für Neuropathologie der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar an. 1990 folgte sie dem Ruf auf die C4-Professur für Neuropathologie der Universität Heidelberg und übernahm die Leitung des dortigen Instituts für Neuropathologie. Neben der Fortführung der Arbeiten zur selektiven neuronalen Vulnerabilität rückten Arbeiten zum experimentellen ischämischen Präkonditionieren zunehmend in den Vordergrund. Mit ihrem Forschungsprofil war Frau Professor Kiessling eine der wenigen im Bereich der zerebralen Ischämie tätigen und international beachteten Neuropathologinnen bzw. Neuropathologen. Im Jahr 2005 musste sie die Leitung des Instituts aus gesundheitlichen Gründen niederlegen, nachdem sie krankheitsbedingt bereits seit mehreren Jahren ihr eigentliches wissenschaftliches Potential nicht mehr voll entfalten konnte.

Frau Professor Kiessling verstarb am 11.07.2012 im Alter von 60 Jahren. Der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie bleibt Marika Kiessling als brilliante und schlagfertige Diagnostikerin und Wissenschaftlerin in Erinnerung, die das Fach Neuropathologie auch über die klassischen Themen hinaus geöffnet und in den Nachbardisziplinen sichtbar gemacht hat.

(Prof. Dr. Clemens Sommer, Mainz)

 

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