In Memoriam
 

Michael Frotscher (1947 - 2017)

Michael Frotscher, Jahrgang 1947, studierte Medizin an der Humboldt Universität in Berlin – seinen Studienplatz erhielt er als Sohn eines Kantors nur, weil er Hochsprung in einem Leistungskader der DDR trainierte. 1974 promovierte er an der Charité – damals noch unter DDR-Regime. Aufgrund der andauernden Restriktionen flüchtete er 1979 aus der DDR und begann seine Forschungsarbeit im Westen mit einem Stipendium des MPIs für Hirnforschung in Frankfurt. 1981 habilitierte er sich für das Fach Neuroanatomie. Es folgten mehrere Zwischenstationen bis er 1989 schließlich den Ruf auf die C4-Professur am Institut für Anatomie und Zellbiologie in Freiburg annahm. 2011 erhielt er eine Senior-Forschungsprofessur für Neurowissenschaften der Hertiestiftung. Am Zentrum für Molekulare Neurobiology Hamburg gründete er das Institut für strukturelle Neurobiologie. 2015 wurde er auch zum Direktor des ZMNH gewählt.

Die herausragende wissenschaftliche Leistung von Professor Frotscher spiegelt sich in einer langen Liste bedeutender Preise wieder – beispielhaft sie hier nur der Leibniz-Preis der DFG genannt.

Professor Frotscher war seit Jahrzehnten Mitglied in der DGNN und einer der wenigen Neuroanatomen in unserer Gesellschaft. Er nahm regelmäßig an unseren Jahrestagungen teil, häufig auch mit Übersichtsvorträgen zu seinen Projekten. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Entwicklung der Zytoarchitektur und der Verschaltung des Gehirns sowie der strukturellen und funktionellen Analyse von Synapsen des zentralen Nervensystems. Ein methodisches Highlight seiner Forschung war die Entwicklung des Hochdruckgefrierens von Hirngewebe für die Elektronenmikroskopie mit der Möglichkeit der artefaktfreien Darstellung von Synapsen.

Unabhängig von seiner wissenschaftlichen Leistung war er auch ein begnadeter Didaktiker, der mit seinen Vorträgen immer wieder fesseln konnte.

Die DGNN hat einen bedeuten Neuroanatomen, eine großartigen Lehrer und einen menschlich sehr geschätzten Kollegen verloren.

(Clemens Sommer, Mainz)

 

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